Fr

18

Apr

2014

Der Wurm im Misthaufen

Aus „die Kuh die weinte“, von Ajahn Brahm

 

Zwei Mönche, die ihr ganzes Leben lang befreundet gewesen waren, starben und wurden bald darauf wiedergeboren. Der erste fand sich als „Dewa“ - ein göttliches Wesen – in einer himmlischen Welt wieder, doch sein Freund begann das neue Leben in einem Misthaufen.

Der Dewa wusste das noch nicht. Er sehnte sich nach seinem alten Freund und fragte sich, wo der wohl seine Wiedergeburt erlebt hatte. In seiner eigenen himmlischen Welt konnte er ihn nicht entdecken, also suchte er die andern himmlischen Reiche ab. Doch auch da fand er keine Spur seines lieben alten Freundes. Unter Zuhilfenahme seiner himmlischen Kräfte weitete es seine Suche auf die Menschenwelt aus, doch auch das war vergeblich. Er konnte sich nicht vorstellen, dass sein Freund als ein Tier wiedergeboren worden sein sollte, aber sicherheitshalber fahndete er auch in der Tierwelt nach ihm. Als er ihn auch hier nicht fand, gab er sich einen Ruck und stieg in die unterste Welt hinab, in die der Kriechtiere. Zu seiner grossen Überraschung entdeckte er, dass sein Freund als Wurm in einem widerlich stinkenden Misthaufen ein neues Leben begonnen hatte.

Das Band der Freundschaft ist so stark, dass es oftmals den Tod überwindet. Der Dewa fühlte sich verpflichtet, seinen Freund aus einer so unglückseligen Wiedergeburt zu befreien – ganz gleich, welches Karma ihm dieses Los bestimmt hatte.

Also tauchte er vor dem ekelhaften Misthaufen auf und rief: “Hallo Wurm! Erinnerst du dich an mich? In unserem früherem Leben waren wir beide Mönche und sehr eng miteinander befreundet. Ich bin in eine wunderschöne himmlische Welt wiedergeboren worden und sehe zu meinem Entsetzen, dass du in diesem widerlichen Misthaufen lebst. Aber sorge dich nicht, denn ich kann dich in mein herrliches himmlisches Reich mitnehmen. Komm mit mir, mein lieber alter Freund.

Der Wurm steckte das Köpfchen aus dem Misthaufen und begutachtete den Dewa misstrauisch. „Moment mal“, sagte er mürrisch. „Was ist denn so grossartig an dieser <himmlischen Welt> von der du da schnatterst? Ich fühle mich sehr wohl in meinem duftenden, warmen, leckeren Misthaufen und habe keine Lust, ihn zu verlassen, vielen Dank.“

„Du hast ja keine Ahnung!“ rief der Dewa und beschrieb dem Wurm in allen Details die Schönheiten und Freuden des Himmels.

„Gibt es denn da auch Mist?“ fragte der Wurm, der genau wissen wollte woran er war.

„Natürlich nicht!“ versetzte der Dewa empört.

„Dann bleibe ich lieber hier!“ erklärte der Wurm mit Bestimmtheit.“ Hau ab!“und er grub sich tief in den Misthaufen ein. Der Dewa überlegte, dass der Wurm die ganze Sache besser begreifen würde, wenn er den Himmel selber erleben könnte. Also überwand er sich, steckte seine weiche Hand tief in den widerwärtigen Misthaufen und fahndete nach dem Wurm. Als er ihn gefunden hatte, zog er das widerstrebende Kriechtier sanft heraus.

„He, lass mich los!“ brüllte der Wurm. „Hilfe! SOS! Ich werde entführt!“ und der kleine schleimige Wurm ringelte und wehrte sich, bis er sich dem Griff des Dewa entwunden hatte und wieder auf seinen Misthaufen gefallen war. Schnell buddelte er sich so tief wie möglich ein, um nicht wieder gefangen zu werden.

Der warmherzige Dewa tauchte seine Hände abermals in den stinkigen Dung, ergriff den Wurm ein zweites Mal und versuchte ihn herauszuziehen. Er hatte es beinahe geschafft, doch weil der Wurm mit schleimigem Dreck überzogen war und sich heftig wehrte, gelang ihm die Flucht ein zweites Mal und diesmal zog er sich noch tiefer in den Misthaufen zurück.

Der Dewa versuchte einhundertacht Mal den armen Wurm aus seinem grässlichen Misthaufen herauszuführen, doch der Wurm war nicht willens, von dem ekelhaften Dung, in dem er lebte, abzulassen und kämpfte sich immer wieder in die Scheisse zurück.

Der Wurm und sein Misthaufen

 

 

 

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Sa

22

Mär

2014

Konzentrieren Sie sich auf Gesundheit

Jahrhundertelang setzte sich die Medizin erst mit Krankheiten auseinander, nachdem diese auftraten. Dasselbe gilt für die breite Allgemeinheit, die in Fragen von Gesundheit und Wohlbefinden eine reaktionäre Haltung einnimmt. Wir gehen erst zum Arzt oder Heilpraktiker, nachdem wir uns eine Erkältung zugezogen oder andere Krankheitssymptome entwickelt haben. Wir gönnen uns höchstens in den Ferien eine Wellnessbehandlung, sonst haben wir keine Zeit! Ebenso fangen wir vielfach erst an uns mehr zu bewegen, nachdem wir auf Übergewicht oder andere ungesunde Faktoren hingewiesen werden und etwas dagegen unternehmen müssen. 

Vielfach wird der Gesundheit erst eine grössere Bedeutung zugemessen, wenn wir krank sind. Sonst wird sie als selbstverständlich angeschaut. Nun fängt der Teufelskreis an: Wir konzentrieren uns auf das Negative (Krankheit) anstatt auf das Positive (Gesundheit), die Krankheit bekommt einen noch grösseren Raum und, und, und...

Das ist eine ganz normale automatische Reaktion, weil wir nicht gelernt haben unsere Gedanken zu kontrollieren und auf unsere Gefühle zu achten.

Zum Wohle unserer Gesundheit und der Gesundheit unserer Angehörigen müssen wir diesen Teufelskreis unterbrechen.

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